Fussballstadien in schwarz-weiss

Auf Who ate all the Pies, dem englischen Fussball-Newsportal der etwas anderen Art, ist seit einigen Tagen eine sehenswerte Serie von Schwarz-Weiss-Fotos zu sehen. In unregelmässigen Abständen wird jeweils ein neues Stadion portraitiert. Zu sehen sind Ausschnitte von bedeutenden Spielen, vollgepackte Stehplatzränge, Wetterkapriolen – alles aus längst vergangenen Fussballzeiten und von Stadien, die so schon längst nicht mehr existieren.

Bisher erschienen sind:

Weitere kommen sich noch dazu. Ein regelmässiger Blick auf www.whoateallthepies.tv/ lohnt sich aber sowieso!

imageZeppelin über dem vollgepackten Wembley (Quelle: whoateallthepies.tv)

UPDATE (30. Juli 2013): Nun ist in der Reihe auch Fullhams Craven Cottage erschienen.

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Istanbul United

Die Fans der verschiedenen Istanbuler Fussballvereine sind nicht gerade dafür bekannt, sich sehr gut zu verstehen. Während den jüngsten Unruhen rund um die geplante Überbauung des Gezi-Parks traten die Rivalitäten aber in den Hintergrund. Verfeindete Ultras schlossen sich zusammen, um gemeinsam zu protestieren. Darüber soll nun eine Doku gedreht werden. Der erste Trailer ist bereits online. Weitere Infos zum Film gibts hier. Wer möchte, der kann den Film auch finanziell unterstützen (und erhält dafür auch etwas zurück).

image(entdeckt über Fanartisch.de)

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Panikmache vs. Realität

Vor etwa einem halben Jahr habe ich hier einen Beitrag mit dem gleichen Titel veröffentlicht. Die Schweizerische Fussball-Liga hatte damals die Zuschauerzahlen des ersten halben Jahrs veröffentlicht. Einmal mehr wurden Rekorde aufgestellt, obwohls in Schweizer Stadien ja offenbar so gefährlich sein muss, wie man immer wieder hört (insbesondere, wenn es um das Hooligan-Konkordat geht).

Ein halbes Jahr später ist die Saison 2012/2013 abgeschlossen. Die Zuschauerzahlen über die ganze Saison sind einmal mehr hervorragend. Es kamen nochmal 178’299 ZuschauerInnen mehr zu den Spielen der höchsten Liga. Der nächste Rekord. Der Blick rechnet vor, dass die Schweiz mit den gesamthaft rund 2.1 Mio. ZuschauerInnen gemessen an der Einwohnerzahl sogar europäische Spitze ist. Und trotzdem beschwören Medien und PolitikerInnen immer wieder die „kriegsähnlichen Zustände“ in Schweizer Stadien, wie Pascal Claude in seinem Blog richtig festgestellt hat.

Das Fazit bleibt leider das gleiche wie vor einem halben Jahr:

Diejenigen, die kaum je ein Stadion von innen gesehen haben, wollen uns weismachen, wie gefährlich es rund um den Fussball ist. Leider verfängt diese Stimmungsmache bei den Medien und dementsprechend bei vielen Bürgerinnen und Bürgern. Dass dies nur dazu führt, dass sich Fanszenen in einer Abwehrhaltung verschanzen, die letztlich für alle Seiten kontraproduktiv ist, will man nicht wahrhaben.

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Aufstiegsplayoff in England

Spiele zwischen Brighton & Hove Albion und Crystal Palace sind immer etwas aufgeladener als sonstige Begegnungen. Die Stadien der beiden Teams liegen nur gerade etwa 70km auseinander, mit dem Zug benötigt man für die Strecke weniger als eine Stunde. Vor allem aber haben brisante Spiele in der Vergangenheit zum Derby-Charakter dieser Paarung beigetragen.

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Wenn es dann – wie in dieser Saison – im Halbfinal der Playoffs um den Aufstieg in die Premier League zu eben dieser Begegnung kommt, gewinnt das Spiel nochmal an Brisanz. Das führt dazu, dass man selbst mit der non-verbalen Kommunikation zwischen Heim- und Gästefans ganze Bücher füllen könnte. Besonders interessant zu beobachten, sind dabei die Vater/Sohn-Duette, bei denen die Zähne beider höchstens für ein ganzes Gebiss reichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen in England ist bei Crystal Palace aber auch immer echte Stimmung garantiert. Zwar ist die Liederauswahl nicht sonderlich spektakulär, die Lautstärke dafür aber umso mehr. Von der Heimseite kann man das leider nicht behaupten. Zwar werden auch die Seagulls ab und an laut, aber das beschränkt sich auf ein paar Mal „AAAAAAAAAALBIOOOOON“. Es ist aber auch nicht einfach, sich als Fans zu organisieren, wenn der Verein offenbar nicht viel Wert darauf legt. Im Matchprogramm bei einem früheren Heimspiel der Seagulls liess sich ein Vorstandsmitglied über mehrere Seiten darüber aus, dass dieses permanente Stehen nicht akzeptabel sei. Schwierig zu verstehen, wenn die Gästefans immer stehen dürfen. 

Und wohl auch darum organisiert hier der Verein die Choreo zum Spielbeginn. Auf jedem Sitz war ein blauer oder weisser Karton bereit gelegt. Dieser konnte, in zusammengefalteter Form, auch als Klatsch-„Instrument“ benützt werden. Die Tonkulisse war danach ähnlich mühsam wie an der WM in Südafrika. Worauf die Palace-Fans mit einem „We’re Crystal Palace. We clap with our hands“ antworteten. Im Süden Londons scheint man sowieso relativ schnell mit passenden Texten bereit zu stehen. Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams provozierte auf der neben dem Gästesektor liegenden Gerade ein Heimfan praktisch 90 Minuten lang die Gästefans. Als er nach einem Tor von einem Freund umarmt wurde, änderten die Palace-Fans das bekannte „He’s just too good for you“, wenn ein Spieler besungen wird, in „He’s just too good to you“.

Man merkts diesen Zeilen an, Crystal Palace ist einer der wenigen Klubs in England, bei dems wirklich noch Stimmung gibt. Die ist zwar anders als in südlichen Ländern, aber trotzdem gut. Englische Atmosphäre eben, wie es sie vor Jahren noch auf der ganzen Insel gegeben hat. Hoffentlich ist das nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft.

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Nick Hornby

„I fell in love with football as I was later to fall in love with women: suddenly, inexplicably, uncritically, giving no thought to the pain or disruption it would bring with it.“
— Nick Hornby – Fever Pitch

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West Hams Upton Park vor den letzten Jahren

In der zu Ende gehenden Woche wurde offiziell verkündet, dass West Ham United den Zuschlag für die Nutzung des neuen Londoner Olympia-Stadions erhalten hat. Nachdem das Stadion 2015 erst noch für die Rugby-Weltmeisterschaft genutzt werden soll, wird West Ham voraussichtlich ab der Saison 2016/2017 seine Heimspiele dort austragen. Und das für 99 Jahre. So lange läuft der Deal, der als Schnäppchen für West Ham bezeichnet wird.

Die Konsequenz dieser Entscheidung: Der Upton Park – oder Boleyn Ground – sieht seinen letzten Saisons entgegen. Auf „Who ate all the pies“ ist deshalb eine Fotostrecke zu sehen. Ich habe dem Upton Park vergangenen November einen Besuch abgestattet, durchaus auch vor dem Hintergrund, dass West Hams Tage an diesem Ort gezählt sind. Die Schlussbemerkung zur Fotostrecke kann ich nur teilen:

Now that’s a proper English football stadium. It’ll be sad to see it go.

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Update (15. Mai 2016): Das letzte Spiel im Upton Park ist gespielt, der Umzug von West Ham steht bevor. Bei Who ate all the pies gibts deshalb nochmal Stadionfotos.

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Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Gegen die Verschärfung des “Hooligan-Konkordats” hat eine Gruppe von Fussball-Fans Beschwerde eingereicht. Als Begleitung zum Artikel darüber erschien im St.Galler Tagblatt auch ein Interview mit Roger Schneeberger (Generalsekretär der KKJPD). Eine interessante Passage daraus:

Tagblatt: Die Gegner des Konkordats werfen der KKJPD vor, auf Repression statt Prävention zu setzen.

Schneeberger: Das stimmt nicht! Das Konkordat enthält nur präventive Massnahmen: Ein Rayonverbot, die Meldepflicht und alkoholfreies Bier bei Hochrisikospielen sind alles Instrumente zur Gewaltprävention. Und in den Empfehlungen zur Umsetzung des Konkordats verlangen wir von jedem Club, dass er ein Fan- und Präventionskonzept vorlegt.

Brauchts dazu einen Kommentar?

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Nick Hornby

„Yes, yes, I know all the jokes. What else could I have expected at Highbury? But I went to Chelsea and to Tottenham and to Rangers, and saw the same thing: that the natural state of a football fan is bitter disappointment, no matter what the score.“
— Nick Hornby – Fever Pitch

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Panikmache vs. Realität

Fussballspiele in der Schweiz sind gemeingefährlich. Familien getrauen sich schon gar nicht mehr in die Stadien. Das bestätigen Politikerinnen und Politiker bei der Debatte zum Hooligan-Konkordat im Aargau. Auch in der Stadt Zürich das gleiche Bild: “Es kann und darf nicht sein, dass Familien und gerade junge Menschen sich nicht mehr trauen, ein Fussballspiel zu besuchen.” Und in St.Gallen ist man zumindest besorgt: “Es muss möglich sein, dass Familien mit Kindern jederzeit ohne Angst einen Stadionbesuch vornehmen können.” Auch die Medien haben das Problem erkannt, und fragen bereits verzweifelt ”Prominente” nach Lösungen: “Viele Familien trauen sich wegen der Gewalt nicht mehr in die Stadien … Was tun gegen gewalttätige Fans?”

Nur die Schweizer Fussballliga will die Gefahr nicht sehen und vermeldet dreist Zuschauerrekorde. Und so zwingt die Liga die ganze Medienlandschaft zu Schlagzeilen wie “Zuschauerrekord in der Super League” (20Minuten), “Mehr Fans in der Schweizer Elite-Liga” (Südostschweiz) oder “Super League bleibt Publikums-Magnet” (Schweizer Fernsehen). Der Blick fühlt sich gar gezwungen, eine unhaltbare Aussage zu tätigen: “St.Gallen sei Dank” (Blick). Dabei weiss doch mittlerweile jedes Kind, dass es gerade in St.Gallen ganz ganz schlimm ist.

Lassen wir die Ironie aber für einen Moment auf der Seite. Politikerinnen und Politiker und weite Teile der Medienlandschaft zeichnen ein Bild, dass der Realität nicht gerecht wird. Wenn sich in der Tat so viele Leute nicht mehr ins Stadion getrauen würden, wie lässt sich dann erklären, dass der Zuschauerschnitt in den letzten Jahren immer gestiegen ist? Wie lässt es sich erklären, dass zum vierten Mal in Serie bereits zur Winterpause der 1-Millionste Besucher die Drehkreuze passiert hat? Dafür gibts nur eine Erklärung: Diejenigen, die kaum je ein Stadion von innen gesehen haben, wollen uns weismachen, wie gefährlich es rund um den Fussball ist. Leider verfängt diese Stimmungsmache bei den Medien und dementsprechend bei vielen Bürgerinnen und Bürgern. Dass dies nur dazu führt, dass sich Fanszenen in einer Abwehrhaltung verschanzen, die letztlich für alle Seiten kontraproduktiv ist, will man nicht wahrhaben.

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