Von Misswirschaft, fehlendem Vertrauen und der Angst vor Investoren

(Ich bin mal wieder auf einen alten Text gestossen, den ich vor über zwei Jahren geschrieben hatte. Damals stand der FCSG kurz vor dem Aus. Auch wenns dem FCSG zurzeit läuft und die derzeitige Führungsetage in den Augen der Öffentlichkeit alles richtig macht: Meine Zweifel bleiben. Schliesslich ist der FCSG ja nun mittlerweile wirklich in der Hand von Investoren. Deshalb wärme ich den Text hier gerne auf.)

Der FCSG steht am Abgrund. Einmal mehr. Fehlende Millionen in der BAG, verursacht durch undurchsichtige Praktiken, belasten auch den Fussball. Und für einmal ist die Öffentlichkeit nicht mehr bereit, einzuspringen. Das verwundert nicht, wenn man sich die Geschichte näher betrachtet. 

Rettungsaktionen für den FC St.Gallen haben in der Ostschweiz beinahe Tradition. Ich erinnere mich an mein erstes Spiel des FCSG, das ich miterlebte. St.Gallen traf im letzten Spiel der NLA-Saison 1994/1995 auf den FC Solothurn. Rund ums Espenmoos wurden Sticker verkauft, mit den Einnahmen wurden die letzten Mittel generiert, um sich finanziell über Wasser halten zu können. Seither hat sich wenig verändert. Mit steter Regelmässigkeit wandten sich die Verantwortlichen an die Öffentlichkeit. Der FCSG schien chronisch klamm zu sein. Gegen Ende der Espenmoos-Ära schien ein Lichtstreif am Horizont aufzutauchen. Mit dem neuen Stadion sollten endlich alle Probleme gelöst sein, der FCSG finanziell auf eine solide Basis gestellt werden und das strukturelle Defizit endgültig der Vergangenheit angehören. Wie man heute weiss, war das pure Augenwischerei. Nicht mal unbedingt, weil das neue Stadion nicht neue Möglichkeiten eröffnet hätte. Das Problem liegt vielmehr darin, dass dieselben Personen Versprechungen gemacht hatten, die danach mit ihrem Handeln jegliche Chance auf Besserung verspielten.

Die Geschichte im Rückblick
Um die Hintergründe davon aufzuzeigen, müssen wir einen Schritt in die Vergangenheit machen. Das Land, auf dem das neue Stadion zu stehen kam, wurde von der öffentlichen Hand geschenkt. Bedingung dafür: Das Stadion darf nie dem FCSG gehören. Eine Stadion AG wurde gegründet, die zusätzlich die Auflage erhielt, das Stadion innerhalb eines gewissen finanziellen Rahmens zu verwirklichen. Als die Pläne schon entworfen und die zur Verfügung stehenden Millionen verplant waren, entschieden sich die Verantwortlichen der inzwischen auch gegründeten Betriebsgesellschaft, Änderungen am geplanten Bau vorzunehmen. Einige davon darf man den Verantwortlichen nicht zur Last legen. Bei grossen Bauvorhaben treten Probleme auf, die man nicht voraussehen kann. Aber zumindest der Entscheid, die Logenanzahl zu verdoppeln, darf und muss den Verantwortlichen zur Last gelegt werden. Es zeugt nicht gerade von Weitsicht, wenn man aufgrund einer akzeptablen Nachfrage nach Logen gleich jegliche Vorsicht fallen lässt. Besonders stossend ist dabei die Tatsache, dass mit Rainer Sigrist eine Person die Entscheidungen (mit-)gefällt hat, der auf beiden Seiten involviert war und nach wie vor ist. Als Chef der Generalunternehmung HRS konnte er mit den zusätzlichen Logen beträchtliche Mehreinnahmen realisieren. Als VR-Präsident der BAG hätte er darauf verzichten müssen, ungesicherte Ausgaben zu tätigen. Dass die für die zusätzlichen Massnahmen nötigen Kredite von der Stadion AG nicht mehr aufgenommen wurden durften und die Kosten deshalb über nicht hypothekarisch gesicherte Kredite der BAG gesichert wurden, ist ein Affront gegenüber allen Politikerinnen und Politikern, die sich für die Landschenkung engagiert haben, im Gegenzug aber eine maximale Höhe der Kosten festgeschrieben zu haben meinten. Es ist beinahe eine Ironie der Geschichte, dass genau diese zusätzlichen Kredite, die von der Politik nie gebilligt wurden, die drei Gesellschaften zurück zur Politik gezwungen haben.

Die Arroganz der Geldsuchenden
Das geschnürte Rettungspaket sah unter anderem eine Beteiligung der Stadt mit zwei und des Kantons mit vier Millionen vor. Im Wissen um den Erfolg früherer Rettungsaktionen traten die Verantwortlichen mit einer schier unerträglichen Arroganz vor die Medien. Ohne wirkliche Informationen zu liefern und mit einer halbherzigen Auflistung, was in Zukunft alles besser werden soll. Es schien, als ob sich niemand vorstellen konnte, dass es für einmal kein einfacher Gang werden würde. Die Ablehnung, die den Verantwortlichen von allen Seiten entgegen schlug, war dabei nicht mal das Überraschende. Viel eher war es überraschend, dass die Empörung anhielt und über Wochen nicht abflaute. Das war neu. Niemand schien einzuknicken, dies obwohl sich die Verantwortlichen bemüht hatten, den FCSG in den Vordergrund zu rücken – das Rettungspaket so zur finalen Entscheidung über die Zukunft des FCSG hochzustilisieren. Zu stark war in Bevölkerung – und in der Fanszene erst recht – das Misstrauen und die Wut gegenüber den Verantwortlichen der BAG. Sigrist, in seiner unsäglichen Doppelrolle sowie Mistura und Froehlich, die den FCSG bereits in den Abstieg geritten hatten, verspekulierten sich und versuchten das Auslöffeln der Suppe anderen zu übertragen. Das goutierte niemand mehr.

Das Aus für das Rettungspaket
Der Todesstoss kam am vergangenen Dienstag. Das Stadtparlament sagte mit über zwei Dritteln Nein zu den städtischen Millionen. Damit war das Rettungspaket Geschichte. Der Kantonsrat könnte zwar theoretisch die Vorlage abändern und die Kopplung der Kantonsmillionen an die der Stadt streichen, davon ist aber nicht auszugehen. Die Verursacher der ganzen Misere fahren indes ihre Strategie weiter. An der Pressekonferenz am Tag nach dem Nein des Stadtparlaments zeigten sich lediglich Michael Hüppi und Dölf Früh. Der Präsident der FCSG AG, der zwar in der ganzen Geschichte alles andere als eine gute Figur macht, letztlich aber nicht der Hauptverantwortliche ist, tritt mit dem Vertreter der Investoren auf. Von den Vertretern der BAG keine Spur. Man versucht weiterhin die Zukunft des FCSG in den Vordergrund zu rücken, die Frage nach dem Verbleib der Grün-Weissen in der höchsten Liga ins Zentrum zu rücken. Man versucht, das letzte Türchen noch aufzustossen, den letzten Geldgeber zu finden, der keine Probleme mit offensichtlicher Misswirtschaft hat. Ohne endlich reinen Tisch zu machen, ohne die Verantwortlichen zu benennen, will man nun die fehlenden Millionen der öffentlichen Hand auf anderen Wegen auftreiben.

Quo vadis?
Die Zukunftsaussichten sind in der Tat nicht rosig. Ich glaube zwar nach wie vor, dass die fehlenden Gelder schon grösstenteils aufgetrieben sind. Obwohl die Verantwortlichen in dieser Krise nicht gerade mit einer ausgeklügelten Kommunikationsstrategie auffielen, gleich am Tag nach dem Nein des städtischen Parlaments einen fixfertigen Plan B zu präsentieren, wäre sogar für diese Herren eine an Dreistigkeit kaum zu überbietende Selbstinszenierung gewesen. Viel mehr Sorgen macht mir, wie dieser Plan B aussehen wird. Schon das ursprüngliche Rettungspaket hätte faktisch bedeutet, dass der FCSG in die Hand von privaten Investoren übergeht, trotz Staatsmillionen. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Plan B diesen Makel behebt, wenn statt der Millionen der öffentlichen Hand noch weitere private Millionen einfliessen. Im Gegenteil, das Schreckensgespenst heisst nicht 1. Liga. Das Schreckensgespenst heisst Investor.

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